Abfindungshöhe – Wie hoch ist die Abfindung?

Erfahren Sie Wissenswertes zur Höhe einer Abfindung

Die Verpflichtung zur Zahlung einer Abfindung für den Verlust eines Arbeitsplatzes beruht im deutschen Arbeitsrecht entweder auf freier Entscheidung der Arbeitsvertragsparteien, auf Richterspruch oder Tarifverträgen.

Für die Höhe der Abfindung gibt es einzelne gesetzliche Vorgaben, die aber nur für bestimmte Fallvariationen gelten.

Eine bindende gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung einer Abfindung fehlt in den einschlägigen Gesetzen. Jedoch gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, aus denen heraus ein Abfindungsanspruch für den Arbeitnehmer entstehen kann.

Möglichkeiten für einen Abfindungsanspruch

Häufigste Voraussetzungen für eine Abfindungszahlung sind:

  • Eine (außergerichtliche) Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
  • Ein im Kündigungsschutz-Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht ausgehandelter Vergleich
  • Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch das Arbeitsgericht gemäß den §§ 9, 10 Kündigungsschutzgesetz (KSchG)
  • Eine betriebsbedingte Kündigung mit Abfindungsangebot gemäß § 1 a KSchG
  • Eine tarifvertragliche Regelung

Den meisten Fallkonstellationen liegt eine arbeitgeberseitige, betriebsbedingte Kündigung zugrunde.

Weitere wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Durchsetzung eines Abfindungsanspruches ist es, dass die Kündigung nach den Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes nicht rechtmäßig war. Eine rechtmäßige Kündigung kann nur dann ausnahmsweise zur Zahlung einer Abfindung führen, wenn dies im Tarifvertrag oder in einem Sozialplan festgelegt ist.

In allen anderen Fällen ist die gute Erfolgsaussicht einer Kündigungsschutzklage Voraussetzung dafür, in Verhandlungen über die Abfindungshöhe eintreten zu können.

Die neu ins Kündigungsschutzgesetz aufgenommene Regelung des § 1a KSchG dient der Entlastung der Arbeitsgerichte. Sie gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, schon im Kündigungsschreiben eine Abfindung zu gesetzlich vorgegebenen Konditionen anbieten zu können. Der Arbeitnehmer kann das Angebot annehmen, wenn er auf das fristgerechte Einreichen einer Kündigungsschutzklage verzichtet.

Gesetzlich festgelegte Abfindungshöhe

Bild AbfindungshöheIm zweiten Absatz des § 1 KSchG wird die Höhe der geschuldeten Abfindung auf ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr festgelegt. Diese Festsetzung entspricht der allgemeinen Empfehlungspraxis vieler Arbeitsgerichtskammern für Abfindungsvergleiche. Bei Arbeitsverhältnissen, die länger als sechs Monate bestehen, wird das Beschäftigungsjahr nach oben aufgerundet.

Zu beachten ist, dass die Regelung des § 1a Abs. 2 KSchG nur dann gilt, wenn die Voraussetzungen für die Geltung des gesamten Kündigungsschutzgesetzes vorliegen, die in § 23 KSchG definiert werden. Die festgeschriebene Abfindungshöhe gilt also nur dann, wenn der Arbeitnehmer länger als sechs Monate in einem Betrieb mit mindestens zehn Arbeitnehmern beschäftigt war.

Diese Voraussetzungen gelten auch für die Berechnung einer Abfindung, die nach den §§ 9, 10 KSchG geschuldet wird. Das Arbeitsgericht kann hier ausnahmsweise die Aufhebung eines Arbeitsvertrages gegen Zahlung einer Abfindung erklären, wenn die Kündigung zwar ungerechtfertigt war, der Weiterbeschäftigung aber Gründe entgegenstehen, die sie unzumutbar machen.

Für die Berechnung der Abfindungshöhe werden in § 10 KSchG nicht nur die Betriebszugehörigkeit, sondern auch das Lebensalter der gekündigten Person herangezogen.

Wesentliche Kriterien beim Aushandeln der Höhe einer Abfindung

Bei der häufigen Verhandlung über die Höhe einer Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes geht es um einen Interessenausgleich. Der Arbeitnehmer verliert seine Erwerbsquelle, während der Arbeitgeber durch den Ausspruch der betriebsbedingten Kündigung im Regelfall Lohnkosten einsparen will.

Wird die Kündigung vom Arbeitsgericht im Kündigungsschutzverfahren als sozial ungerechtfertigt aufgehoben, dann ist der Arbeitnehmer weiter zur Arbeitsleistung verpflichtet. In manchen Fällen wird die Rückkehr an den Arbeitsplatz mit wenig angenehmen Begleiterscheinungen verbunden sein.

Die Weitervermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt ist ein wesentliches Argument. Wenn Alter oder Ausbildung die Arbeitssuche erschweren, ist das Interesse an einer Weiterbeschäftigung größer und der Arbeitgeber muss bei der Höhe der Abfindung Zugeständnisse machen.

Woran Sie sich orientieren können

Sie haben nach alledem erkannt, dass sich die Abfindungshöhe nicht eindeutig festlegen lässt. Etliche Komponenten können Einfluss auf die Abfindungsfrage nehmen. Es kommt demgemäß immer auf den konkreten Einzelfall an.

In vielen Abfindungsverhandlungen, sei es nun außergerichtlich oder gerichtlich, lässt sich am Ende feststellen, dass der Arbeitnehmer ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr als Brutto-Abfindung erhält.

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