Arbeitszeugnis

Hier erfahren Sie Wissenswertes zum Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis, welches dem Arbeitnehmer bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zusteht, soll Auskunft über seine Tätigkeit und die Dauer der Beschäftigung geben. Grundlage für den Anspruch des Arbeitnehmers, von seinem Arbeitgeber ein solches Zeugnis verlangen zu können, ist § 109 der Gewerbeordnung (GewO). Für Auszubildende findet sich eine vergleichbare Sonderregelung in § 8 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG).

Zeitpunkt der Entstehung des Anspruchs auf das Arbeitszeugnis

Grundsätzlich entsteht erst mit dem arbeitnehmer- oder arbeitgeberseitigen Ausspruch der Kündigung ein Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses.

Kann er ein berechtigtes Interesse daran nachweisen oder gibt es eine entsprechende tarif- oder arbeitsvertragliche Regelung, dann kann der Arbeitnehmer auch schon während des noch ungekündigten Arbeitsverhältnisses die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses verlangen. Ein berechtigtes Interesse liegt beispielsweise dann vor, wenn innerbetrieblich der Vorgesetzte wechselt oder wenn die Teilnahme an einer Weiterbildung von der Vorlage eines solchen Zwischenzeugnisses abhängt.

Einfache und qualifizierte Arbeitszeugnisse

Diese Zeugnisse sind besonders relevant:

  1. Einfaches Arbeitszeugnis
  2. Qualifiziertes Arbeitszeugnis

Die Wahl darüber, welches Zeugnis ausgestellt wird, trifft der Arbeitnehmer.

Das einfache Arbeitszeugnis bescheinigt lediglich welcher Art das Beschäftigungsverhältnis war und wie lange es bestand. Das qualifizierte Arbeitszeugnis trifft demgegenüber auch eine detaillierte Beurteilung über die Qualität der Leistung, die vom Arbeitnehmer erbracht wurde. Bei der Formulierung dieser Beurteilung ist der Arbeitgeber nach Meinung des Bundesarbeitsgerichts relativ frei, da sich diese Materie wegen ihrer Vielfältigkeit der Regelung durch Vorschriften bis in jede Einzelheit entziehe.

Dennoch fasste man in inhaltlicher Hinsicht für den Arbeitgeber die Vorgabe, dass er sowohl sachlich als auch wohlwollend die Leistungen des Arbeitnehmers zu beschreiben habe. Ebenso ist die Fokussierung einzelner Vorkommnisse, die für eine Gesamtbeurteilung nicht erheblich sind, zu unterlassen.

Arbeitnehmerrechte

Legt der Arbeitgeber ein unrichtiges Zeugnis vor oder eines, das den eben skizzierten Anforderungen nicht entspricht, kann der Arbeitnehmer das Arbeitsgericht anrufen, auch wenn er keinen Anspruch auf einen bestimmten von ihm präferierten Wortlaut hat.

Selbes gilt natürlich, wenn der Arbeitgeber sich weigert, überhaupt ein Zeugnis auszustellen. Wegen der langfristigen und negativen Folgen, die unterdurchschnittliche Bewertungen für den Arbeitnehmer in seinem weiteren Arbeitsleben entfalten können, ist der Arbeitgeber im Hinblick auf die Richtigkeit der negativen Ausführungen im Gerichtsverfahren darlegungs- und beweispflichtig. Umgekehrt obliegt es dem Arbeitnehmer zu beweisen, dass er Anspruch auf eine überdurchschnittliche Bewertung hätte.

Eine Änderung des Zeugnisses kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber aber jedenfalls immer dann verlangen, wenn er damit inhaltlich nicht einverstanden ist und sich seine Forderungen als berechtigt erweisen.

Fristen und Haftung

Eine gesetzlich normierte Frist für die Erstellung eines Arbeitszeugnisses besteht nicht. Allgemein akzeptiert ist aber ein Zeitrahmen von zwei bis vier Wochen, in welchem es dem Arbeitgeber möglich sein sollte, ein aussagekräftiges Zeugnis mit der nötigen Sorgfalt anzufertigen.

Je nach den Umständen des Einzelfalls kann sich dieser Zeitrahmen natürlich verlängern (so z.B. im Fall von Massenentlassungen). Seinen Anspruch auf Erstellung eines Zeugnisses verliert der Arbeitnehmer im Wege der Verjährung nach drei Jahren. Eventuell kann die Verjährungsfrist auch kürzer oder länger sein, wenn der Arbeitsvertrag bzw. ein Tarifvertrag etwas anderes bestimmt.

Hat der Arbeitgeber schuldhaft ein unrichtiges Zeugnis erstellt, kann er vom Arbeitnehmer nach § 280 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) in Haftung genommen werden. Der Schutz Dritter, wie beispielsweise des nachfolgenden Arbeitgebers, leitet sich aus der Vorschrift des § 826 BGB ab.

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