Die verhaltensbedingte Kündigung

Die Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung können vielfältig sein. Der folgende Artikel erklärt, wie eine verhaltensbedingte Kündigung funktioniert und in welchen Fällen eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung möglich ist.

Bei einer verhaltensbedingten Kündigung wird ein Arbeitsverhältnis aufgrund eines Kündigungsgrundes gekündigt, der im Verhalten des Arbeitnehmers liegt. Damit diese Art der Kündigung möglich wird, muss ein derart schwerer Pflichtverstoß des Arbeitnehmers vorliegen, dass es dem Arbeitgeber nicht mehr weiter zumutbar ist, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Verhalten vorliegt, das der Arbeitnehmer hätte steuern können.

Die vier Voraussetzungen für die verhaltensbedingte Kündigung

Damit eine verhaltensbedingte Kündigung rechtswirksam ausgesprochen werden kann, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Vorliegen eines Pflichtverstoßes
  2. Rechtswidrigkeit und Schuldhaftigkeit
  3. Verhältnismäßigkeit
  4. Interessenabwägung

Vorliegen eines Pflichtverstoßes

Damit die verhaltensbedingte Kündigung gerechtfertigt ist, muss ein Pflichtverstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten vorliegen. Dies kann sowohl die Hauptpflichten (z. B. Leistungspflicht) als auch die Nebenpflichten aus dem Arbeitsvertrag betreffen. Mögliche Kündigungsgründe werden weiter unten noch näher erläutert.

Rechtswidrigkeit und Schuldhaftigkeit

Der Pflichtverstoß muss für eine verhaltensbedingte Kündigung sowohl rechtswidrig als auch schuldhaft sein.

Rechtswidrigkeit: Die Rechtswidrigkeit ist gegeben, wenn es keine Umstände gibt, die das Verhalten des Arbeitnehmers rechtfertigen können.

Schuldhaftigkeit: Schuldhaft ist ein Pflichtverstoß dann, wenn er vom Arbeitnehmer entweder vorsätzlich begangen wurde oder ihm zumindest Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann.

Verhältnismäßigkeit

Von der Verhältnismäßigkeit kann man sprechen, wenn es kein milderes Mittel als die Kündigung gibt. Eine ordentliche, verhaltensbedingte Kündigung kommt meist nicht ohne eine vorherige Abmahnung aus, da dem Arbeitnehmer so die Gelegenheit gegeben werden kann, das Fehlverhalten abzustellen. Auf eine Abmahnung kann nur verzichtet werden, wenn der Arbeitnehmer klar zu verstehen gegeben hat, dass er sein Fehlverhalten nicht abstellen will oder wenn das Vertrauensverhältnis irreparabel zerstört wurde (z. B. bei einem Diebstahl). Eventuell kann auch eine Versetzung ein milderes Mittel darstellen, beispielsweise wenn das Fehlverhalten auf einen bestimmten Arbeitsbereich zu beziehen ist (z. B. Beleidigung eines bestimmten Mitarbeiters, mit dem es Streit gab).

Interessenabwägung

Der Arbeitgeber muss abwägen, ob sein Interesse an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder das Interesse des Arbeitnehmers an der Weiterbeschäftigung überwiegt. Für den Arbeitnehmer ist es insbesondere zu werten, wenn er bereits jahrelang ohne Vorkommnisse beschäftigt ist und es sich nicht um keinen schlimmen Pflichtverstoß handelt. Zusätzlich müssen zugunsten des Arbeitnehmers auch seine Sozialdaten einbezogen werden.

Wenn hingegen der Betriebsfrieden gestört ist oder andere betriebliche Auswirkungen zu spüren sind, spricht dies eher für das Interesse des Arbeitgebers. Weitere Kriterien, die das Gleichgewicht zugunsten des Arbeitgebers verändern, sind:

  • Vermögensschäden
  • Störungen des Betriebsablaufs
  • Beschädigung des Unternehmensimages
  • Störungen in der Arbeits- und Betriebsdisziplin
  • Störungen in der Funktionsfähigkeit des Unternehmens

Typische Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung

Grundsätzlich kommt jedes Fehlverhalten dafür in Frage, als Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung zu dienen, wenn es denn schwerwiegend genug ist. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Kündigungsgründe übersichtlich aufgelistet. Wenn ein Kreuz bei ordentlich und außerordentlich gesetzt ist, kommt es bei der Beurteilung, welche Kündigungsart gerechtfertigt ist, auf die Schwere der Umstände an.

Kündigungsgrund

ordentlich

Abmahnung erforderlich

außerordentlich

Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit

x

Erschleichen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (strafbare Handlung)

x

Änderung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (strafbare Handlung)

x

(Versuchte) Abwerbung von Kollegen

x

x

x

Verstoß gegen ein herrschendes Alkoholverbot

x

x

Alkoholgenuss; deshalb können die vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt werden oder Sicherheitsbestimmungen werden nicht eingehalten

x

x

Wilder Streik

x

x

Unberechtigte Arbeitsverweigerung (Abmahnung nur erforderlich, wenn dadurch eine Besserung zu erwarten ist

x

x

Beleidigungen

x

x

Rassistische oder ausländerfeindliche Aussagen

x

(Versuchte) Annahme von Bestechungsgeldern

x

Verraten von Betriebsgeheimnissen / Verstoß gegen Verschwiegenheitspflichten

x

x

x

Diebstahl im Betrieb (strafbare Handlung)

x

Unterschlagung (strafbare Handlung)

x

Gehäufte Gehaltspfändungen

x

Fehlbestände in einer anvertrauten Kasse (Manko)

x

x

Mobbing anderer Arbeitnehmer

x

x

Fehlende Arbeitspapiere (Arbeitspapiere liegen nicht am ersten Arbeitstag vor)

x

x

Private Nutzung von betrieblichem Telefon, Email, Internet

x

x

Download strafbarer Inhalte aus dem Internet

x

Politische Betätigung im Unternehmen

x

x

x

Schlechtleistung/Minderleistung

x

x

Schwarzarbeit während der normalen Arbeitszeit

x

Schwarzarbeit außerhalb der Arbeitszeit
Unerlaubte Konkurrenztätigkeit

x

x

Arbeit während einer Arbeitsunfähigkeit

x

x

Selbstbeurlaubung nach Ankündigung

x

x

Selbstbeurlaubung

x

Ankündigung des „Blaumachens“

x

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

x

Spesenmanipulation (strafbare Handlung)

x

Manipulation der Zeiterfassung (strafbare Handlung)

x

(Straf-)Anzeige gegen den Arbeitgeber

x

x

x

Tätlichkeiten (strafbare Handlung)

x

x

x

Unerlaubte Nebentätigkeit

x

x

Verstoß gegen die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes durch einen Nebenjob

x

x

Nicht rechtzeitige Mitteilung der Arbeitsunfähigkeit

x

x

Unentschuldigte Verspätungen

x

x

Unentschuldigtes vorzeitiges Verlassen des Arbeitsplatzes

x

x

Unentschuldigtes Nichterscheinen zur Arbeit

x

x

Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften

x

x

Verstoß gegen Wettbewerbsverbot

x

x

x

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