Nachlass regeln | So vermeiden Sie Streit in der Erbengemeinschaft

Lesen Sie hier, was Sie tun können, wenn Sie Ihren Nachlass regeln möchten

Nachlass regelnSie möchten Ihren Nachlass regeln und Streit in der Erbengemeinschaft vermeiden?

Ein Erblasser hat in seiner letztwilligen Verfügung (Testament, Erbvertrag) nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) unter anderem folgende Möglichkeiten, um auf die Auseinandersetzung seines Nachlasses Einfluss zu nehmen: Teilungsanordnung, Übertragung der Auseinandersetzung (durch einen Dritten), Testamentsvollstreckung und letztwillige Schiedsklausel.

Umgekehrt könnten Sie sogar so weit gehen, dass Sie die Erbauseinandersetzung gemäß § 2044 BGB ausschließen. Aber lesen Sie nun im Folgenden mehr zu Ihren Möglichkeiten, einen Streit unter den Erben zu vermeiden.

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Nachlass mit einer Teilungsanordnung regeln

Mit der Teilungsanordnung gemäß § 2048 BGB kann der Erblasser Vorgaben für die Verteilung seines Nachlasses machen. Teilungsanordnungen des Erblassers gehen den gesetzlichen Regelungen über die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft vor. Der Erblasser kann also regeln, wer was bekommen soll.

Er kann zum Beispiel festlegen, dass ein bestimmter Miterbe bei der Auseinandersetzung einen bestimmten Nachlassgegenstand erhalten soll. Durch die Teilungsanordnung werden die Höhe der Erbteile und der Wert der Beteiligung der einzelnen Erben am Nachlass nicht berührt. Erhält der Miterbe durch die Teilungsanordnung wertmäßig einen höheren Anteil am Nachlass, als es seiner Erbquote entspricht, muss ein entsprechender Ausgleich erfolgen. Eine wertverschiebende Teilungsanordnung ist nicht möglich. Ist ein Ausgleich vom Erblasser nicht gewollt, muss der Erblasser ein sogenanntes Vorausvermächtnis nach § 2150 BGB anordnen.

Die Teilungsanordnung müssen Sie in Testamentsform niederlegen. Bloß mündlich geäußerte Wünsche zur Aufteilung des Nachlasses wären unbeachtlich. Mündlich können Sie Ihren Nachlass also nicht regeln!

Erbauseinandersetzung durch einen Dritten

Sie können gemäß § 2048 Satz 2 BGB auch anordnen, dass die Auseinandersetzung nach dem billigen Ermessen eines, von Ihnen zu benennenden, Dritten erfolgen soll.

Anordnung einer Testamentsvollstreckung

Um Streitigkeiten bei der Auseinandersetzung zu vermeiden, können Sie als Erblasser – zur Regelung Ihres Nachlass – durch letztwillige Verfügung einen Testamentsvollstrecker ernennen. Die Erbauseinandersetzung wird dann gemäß § 2204 BGB vom Testamentsvollstrecker vorgenommen. Eine Auseinandersetzung durch Vereinbarung der Miterben ist in einem solchen Fall ausgeschlossen.

Streit durch letztwillige Schiedsklausel vermeiden

Sie können durch letztwillige Verfügung auch anordnen, dass über die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft ein Schiedsrichter entscheiden soll. Von dieser Möglichkeit wird im Erbrecht allerdings eher selten Gebrauch gemacht.

Nun möchten wir Ihnen gerne darstellen, wie es rechtlich aussieht, wenn Sie von den vorherigen Möglichkeiten keinen Gebrauch machen:

Vereinbarungen der Miterben zur Auseinandersetzung

Hat der Erblasser keine letztwilligen Anordnungen für die Auseinandersetzung seines Nachlasses getroffen, erfolgt die Verteilung des Nachlasses vorrangig nach den, häufig stark widerstreitenden, Vorstellungen der Miterben. Zwingende gesetzliche Regelungen für die Durchführung der Auseinandersetzung gibt es nicht.

Gesetzliche Regeln für Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Erst wenn weder letztwillige Anordnungen des Erblassers für die Aufteilung des Nachlasses gegeben sind und sich die Miterben nicht auf eine Verteilung des Nachlasses einigen können, gelten die gesetzlichen Vorschriften für die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft (§§ 2042 Absatz 2, 752 ff., 2046 ff. BGB).

Die Erbauseinandersetzung umfasst alle Vorgänge, die zur Aufhebung der Erbengemeinschaft erforderlich sind. Diese sind insbesondere:

  • Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten, § 2046 BGB
  • Verteilung des Überschusses nach dem Verhältnis der Erbteile, § 2047 BGB
  • Ausgleichung von Vorempfängen oder besonderen Leistungen, §§ 2050 ff. BGB

Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten

Aus dem Nachlass sind gemäß § 2046 Absatz 1 Satz 1 BGB zunächst die Nachlassverbindlichkeiten zu berichtigen. Hierzu ist der Nachlass gemäß § 2046 Absatz 3 BGB gegebenenfalls in Geld umzusetzen. Vorab zu berichtigende Nachlassverbindlichkeiten können zum Beispiel Erbfallschulden, also Verbindlichkeiten, deren Rechtsgrund und Notwendigkeit auf den Erbfall zurückzuführen sind, wie Beerdigungskosten, Kosten für Grab und Grabstein, und so weiter sein.

Aber auch Erblasserschulden, also Verbindlichkeiten, die vom Erblasser herrühren und vererblich sind – wie zum Beispiel Mietschulden, Darlehensverbindlichkeiten oder rückständige Steuerschulden – müssen vorab berichtigt werden. Darüber hinaus sind auch Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten, Vermächtnissen und Auflagen vorab vom Nachlass abzuziehen.

Verteilung des Überschusses aus dem Nachlass

Die Verteilung des nach Abzug der Nachlassverbindlichkeiten verbleibenden Überschusses auf die Miterben erfolgt gemäß § 2047 Absatz 1 BGB nach dem Verhältnis ihrer Erbteile. Nachlassgegenstände sind grundsätzlich in Natur zu teilen. Nur wenn eine Teilung in Natur nicht möglich ist, erfolgt ein Verkauf des Gegenstandes und Teilung des Erlöses.

Ausgleichung von Vorempfängen oder besonderen Leistungen

Ausgleichung lebzeitiger Zuwendungen des Erblassers unter Abkömmlingen

Die Abkömmlinge des Erblassers, die als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen, sind nach den §§ 2050 ff. BGB verpflichtet, bestimmte Zuwendungen, die sie vom Erblasser zu Lebzeiten bekommen haben, bei der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zur Ausgleichung zu bringen. Sind die Abkömmlinge testamentarisch auf das eingesetzt, was sie als gesetzliche Erben erhalten würden, kommt gemäß § 2052 BGB ebenfalls eine Ausgleichung in Betracht.

Hintergrund der Regelungen zur Ausgleichung ist, dass der Erblasser Abkömmlinge bei der Verteilung des Vermögens in aller Regel gleich behandeln will. Hat ein Abkömmling also bereits zu Lebzeiten Zuwendungen erhalten, führt die Ausgleichung dazu, dass die Zuwendung so behandelt wird, als habe der Abkömmling die Zuwendung erst bei Auseinandersetzung des Nachlasses erhalten.

Da die gesetzlichen Ausgleichungsbestimmungen nicht zwingend sind, kann der Erblasser abweichende Anordnungen unter Lebenden treffen. Eine solche Anordnung muss der Erblasser jedoch spätestens bei der Zuwendung treffen. Die Anordnung der Ausgleichung bedarf keiner bestimmten Form.

Ausgleichung besonderer Leistungen eines Abkömmlings

Hat ein Abkömmling zu Lebzeiten des Erblassers während längerer Zeit durch Leistungen in besonderem Maße dazu beigetragen, dass das Vermögen des Erblassers erhalten oder vermehrt wurde, kann er hierfür nach § 2057a BGB einen Ausgleich bei der Auseinandersetzung verlangen. Als ausgleichungsfähige Leistungen kommen beispielsweise die Mitarbeit im Haushalt, Beruf oder Geschäft des Erblassers, Geldleistungen oder Pflegeleistungen in Betracht.

Fazit: Regeln Sie Ihren Nachlass durch gekonnte Anordnungen

Sie haben nun gesehen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Streit in der Erbengemeinschaft zu vermeiden. Hierzu ist eine letztwillige Verfügung, also zum Beispiel ein Testament, zu errichten.

Da die Form und der Inhalt rechtlich korrekt und für Ihren Einzelfall maßgeschneidert sein müssen, raten wir Ihnen, kompetente rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese bieten wir Ihnen in unserem Hause an und helfen Ihnen gerne dabei, Ihren Nachlass zu regeln!

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