Schwarzgeld im Nachlass – was Sie als Erbe tun sollten

Hier erfahren Sie, was Sie tun sollten, wenn Sie unversteuertes Geld geerbt haben

Es kommt in Deutschland nicht selten vor, dass Erben im Nachlass ihres verstorbenen Angehörigen Schwarzgeld vorfinden. Experten schätzen, dass derzeit 150 Milliarden Euro Schwarzgeld lediglich durch deutsche Staatsbürger alleine in der Schweiz deponiert sind – aber auch Liechtenstein ist ein beliebter Aufbewahrungsort für Schwarzgeld.

Steuerrechtliche und strafrechtliche Probleme

Ein Erblasser, der Gelder auf ausländischen Konten hatte, welche dem Fiskus nicht deklariert wurden, hat eine Steuerverkürzung, auch Steuerhinterziehung genannt, begangen. Es wird auch steuerrechtliche und strafrechtliche Probleme für den Erben nach sich ziehen, wenn er diese Anzeige und Meldung nicht zügig nachholt. Durch die Verpflichtung zur Richtigstellung gemäß § 153 Abgabenordnung (AO) kann es zur strafrechtlichen Verfolgung kommen, wenn der Erbe den deutschen Behörden nicht unverzüglich Meldung über den Erhalt des Schwarzgeldes macht.

Erbe muss unverzüglich beim Finanzamt Meldung machen

Entspricht ein Erbe dieser verpflichtenden Richtigstellung und Anzeige gegenüber dem Finanzamt nicht, so begeht er damit eine Steuerhinterziehung durch Unterlassen. Es besteht für den Erben jedoch nicht nur die Pflicht, die zu Lebzeiten durch den Erblasser unterschlagenen Informationen zu korrigieren, nachzureichen oder zu ergänzen, er muss dies auch „frei von schuldhaftem Zögern“ erledigen. Im Sinne des Gesetzes ist es demnach auch strafbar, wenn der Erbe zu lange wartet, um sich seiner Sache sicher zu sein.

Was Sie als Erbe, Nachlassverwalter oder Testamentsvollstrecker tun müssen

Sind Sie als Erbe von einem mit Schwarzgeld versehenen Nachlass betroffen, so müssen Sie unverzüglich Ihrer Anzeigepflicht nachkommen. Nach Erledigung dieser Berichtigungspflicht an die Behörden lösen sich etwaige steuerstrafrechtliche Aspekte zumeist „in Wohlgefallen“ auf.

Selbst als Nachlassverwalter oder Testamentsvollstrecker unterliegen Sie einer Anzeigepflicht. Es wäre ebenfalls strafbar für Sie, unvollständige oder unrichtige Angaben in einer Steuererklärung, die zu einer Verkürzung der Steuer führen oder führen können, nicht zu machen.

Erbschaft wird sich reduzieren

Wird die Berichtigung oder Ergänzung vorgenommen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass sich das Erbe voraussichtlich reduzieren wird. Von Seiten des Finanzamts kommt es nach den neuen Angaben nämlich zu einer nochmaligen Steuerberechnung. Auf Basis dieser neuen Ausgangslage ist zumeist Einkommenssteuer nachzuentrichten. Es kann auch zu einer Nachzahlung von Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag kommen.

Was Ihnen im Falle einer Steuerstraftat droht

So unangenehm diese Verkleinerung der Erbschaft für Sie sein kann – Sie als Erbe sollten sich dennoch unbedingt von einer Steuerhinterziehung durch Unterlassen bzw. einer Steuerverkürzung durch Nichtanzeige fern halten. Dies betrifft auch künftige Zinseinkünfte von im Ausland „geparktem“ Schwarzgeld. Denn auch diese Einkünfte müssen versteuert werden und unterliegen der Anzeigepflicht. Im Falle einer Verurteilung wegen Verstoßes gegen steuerstrafrechtliche Vorschriften droht Ihnen eine empfindliche Geldstrafe oder auch Freiheitsstrafe.

Sie müssen posthum für den Erblasser Steuererklärungen machen

Zu beachten ist auch, dass Sie als Erblasser nicht nur eigene Offenbarungspflichten gegenüber dem Fiskus haben. Stellvertretend für den Erblasser müssen Sie beim Finanzamt – posthum – vollständige und korrekte Steuererklärungen machen. Hier existiert lediglich eine zeitliche Grenze, nämlich die Verjährung.

Schwarzgeld im Nachlass einer Erbengemeinschaft

Insbesondere wenn Sie Miterbe, also Mitglied einer Erbengemeinschaft, sind und das Erbe mit Schwarzgeld „angereichert“ ist, sollten Ihre Alarmglocken läuten. Diese ohnehin schon konfliktbehaftete Situation – einer noch vorzunehmenden Aufteilung der Erbschaft – führt nicht selten zu enormen Streitigkeiten zwischen Verwandten. Selbst wenn Ihre Miterben Sie zu überreden versuchen, das Schwarzgeld vor den Behörden geheim zu halten, um damit ein höheres Erbe zu erlangen – müssen Sie bitte unbedingt bedenken, dass dadurch erhebliches Potential für Erpressungs- und Drohversuche gegeben ist.

Außerdem kann separat auch eine Meldung durch involvierte Nachlassverwalter, Vermögensverwahrer oder sonstige Dritte erfolgen – denn auch diese sind zu dieser Anzeige verpflichtet bzw. gewillt. Ausreden über verspätete Anzeigevorhaben greifen in diesem Falle nicht, da Sie dann „schuldhaft gezögert haben“.

Im Übrigen müssen auch unselbständige Zweigstellen inländischer Kreditinstitute im Ausland oder Niederlassungen ausländischer Bankinstitute in Deutschland der Anzeigepflicht von Schwarzgeld nachkommen.

Strafbefreiende Selbstanzeige

Für den Fall, dass Sie Ihren steuerrechtlichen Pflichten nicht nachgekommen sein sollten, muss es trotzdem noch nicht zu spät für Sie sein. Dann ist nämlich noch an eine sogenannte Selbstanzeige gemäß § 371 AO zu denken, die Ihre Strafbarkeit im Nachhinein wieder entfallen lassen kann.

Da strafbefreiende Selbstanzeigen jedoch ein heikles Thema sind und dabei vieles falsch gemacht werden kann, sollten Sie sich in einem solchen Fall fachkundig beraten lassen.

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