Urlaub in den Sommerferien – Bevorzugung von Eltern mit Kindern

In der Praxis dürfen sich Mitarbeiter mit Kindern häufig aussuchen, wann und wie lange sie während der Ferienzeiten Urlaub nehmen möchten. Doch viele Singles und kinderlose Paare fragen sich, ob sie denn niemals einen Anspruch auf Urlaub in den Sommerferien haben.

Wenn es um den Urlaub in den Sommerferien (oder in anderen Ferienzeiträumen) geht, müssen sich Arbeitnehmer ohne Kinder so einiges gefallen lassen – meistens müssen sie nämlich hinter Kollegen mit Kindern zurückstehen. Diesbezüglich finden sich die verschiedensten Gerüchte:

  • Kollegen mit Kindern unter 14 Jahre müssen bevorzugt behandelt werden.
  • Kollegen mit schulpflichtigen Kindern erhalten bevorzugt Urlaub.
  • Mitarbeiter ohne Kinder haben kein Recht auf Urlaub in den Ferienzeiten.
  • u. v. m.

Doch welche dieser Regelungen ist tatsächlich korrekt?

Die sozialen Gesichtspunkte

Tatsächlich ist keine dieser Varianten wirklich korrekt. Es gibt weder eine Altersgrenze noch eine Vorgabe, dass die Kinder noch zur Schule gehen müssen. Maßgeblich dafür, wer vorrangig Urlaub in den Sommerferien bekommen soll, ist § 7 Abs. 1 S. 1 BUrlG. Hier heißt es:

„Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.“

Dies bedeutet dass der Arbeitgeber immer abwägen muss, welcher Arbeitnehmer den Urlaub in den Sommerferien nach sozialen Gesichtspunkten am ehesten nötig hat. Dies sind in der Praxis zwar häufig Mitarbeiter mit Kindern – allerdings nicht immer.

Es gibt eine Vielzahl von Fällen, bei denen der Urlaubswunsch eines Arbeitnehmers Vorrang gegenüber anderen Mitarbeitern hat, beispielsweise:

  • Ein Mitarbeiter hat schulpflichtige Kinder, mit denen er logischerweise nur während der Ferien in Urlaub fahren kann.
  • Ein Mitarbeiter kann nur zu einer bestimmten Zeit gemeinsam Urlaub gemeinsam mit seinem Partner nehmen, da diesem durch seinen Arbeitgeber nicht anders Urlaub gewährt wird.
  • Ein Mitarbeiter hat an einer Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation (z. B. Kur) teilgenommen und möchte im Anschluss Urlaub nehmen

In letztgenannten Fall ist der Arbeitgeber sogar gesetzlich gezwungen dem Ansinnen nachzugeben, selbst wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen würden. Dies ergibt sich aus § 7 Abs. 1 S. 2 BUrlG.

Mitarbeiter mit Kindern haben nicht immer Vorrang

Nun erscheint es tatsächlich auf den ersten Blick so, als hätten Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern immer Vorrang vor Mitarbeitern ohne Kinder. Damit hätten Letztere keine Chance, jemals während der Ferienzeiten Urlaub zu nehmen. Dies kann jedoch niemandem zugemutet werden. Daher kann die Abwägung nach sozialen Gesichtspunkten nach mehreren Jahren der erfolglosen Urlaubsbeantragung durchaus auch zugunsten eines Mitarbeiters ohne Kinder ausfallen.

Wer entscheidet?

Der Arbeitgeber wird es im Regelfall zunächst seinen Arbeitnehmern überlassen, wer Urlaub in den Sommerferien nimmt. Was jedoch, wenn Sie sich mit Ihren Kollegen nicht einigen können? Häufig gibt es ja Mitarbeiter mit Kindern, die am liebsten die kompletten Sommerferien für sich beanspruchen möchten. In diesem Fall muss der Arbeitgeber eingreifen und für eine gerechte Verteilung der Ferien sorgen, sodass alle an die Reihe kommen, die den Wunsch danach verspüren.

Wenn Sie jedoch die Entscheidung des Arbeitgebers auch nicht akzeptieren möchten, können Sie die Sache auch gerichtlich klären und von einem Arbeitsgericht feststellen lassen, wer nun wann und wie viel Anspruch auf Urlaub in den Sommerferien hat.

Kompromisse schließen

Allerdings sollten Sie sich zugunsten des Betriebsklimas überlegen, ob Sie den Streit nicht doch lieber außergerichtlich beilegen möchten. Vielleicht können Sie mit den Kollegen einen Kompromiss schließen, sodass beispielsweise die Mitarbeiter mit Kindern je wenigstens zwei Wochen am Stück Urlaub in den Sommerferien nehmen können, aber auch für die Kollegen ohne Kinder wenigstens eine Woche abfällt. So ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass alle wenigstens ein bisschen zufriedengestellt werden und der Betriebsfrieden gewahrt bleibt.

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