Verhaltensbedingte Kündigung erst nach drei Abmahnungen?

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dann steht die Kündigung vor der Tür. Wie viele Abmahnungen muss der Arbeitgeber erteilen, bevor er eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen kann? Die meisten Menschen denken, dass die Kündigung erst nach der dritten Abmahnung gerechtfertigt ist. Doch stimmt dies auch?

Im Kopf der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Arbeitgeber eine verhaltensbedingte Kündigung erst aussprechen kann, wenn er bereits mindestens drei Abmahnungen erteilt hat. Unzählige Arbeitnehmer verlassen sich tagtäglich darauf, dass sie ja eigentlich einen „Freifahrtschein“ haben, solange sie die drei Abmahnungen noch nicht voll haben. Das Problem ist nur: Das stimmt überhaupt nicht!

Ein wahrer Kern…

In jedem Gerücht liegt ein Fünkchen Wahrheit. Es gibt durchaus Kündigungsgründe, bei denen drei Abmahnungen erforderlich sind. Das Fatale ist jedoch, dass es auch häufig Fälle gibt, in denen schon eine oder zwei Abmahnungen ausreichen, um den Arbeitgeber im Wiederholungsfall zur Kündigung zu berechtigen. Wie viele Abmahnungen der Arbeitgeber letzten Endes für eine wirksame verhaltensbedingte Kündigung braucht, hängt von der Schwere des Einzelfalls ab.

Die Warnfunktion der Abmahnung

Eine Abmahnung soll eine Warnfunktion haben. Sie soll den Arbeitnehmer vor den Folgen warnen, die eine Wiederholung des vertragswidrigen Verhaltens für ihn haben könnte. Daher ist eine ordentliche, verhaltensbedingte Kündigung nicht ohne eine vorherige Abmahnung möglich. Der Arbeitgeber ist dann zur Kündigung berechtigt, wenn davon auszugehen ist, dass der abgemahnte Arbeitnehmer sein Verhalten durch eine erneute Abmahnung nicht abstellen wird. Die Kündigung ist dann das letzte mögliche Mittel, das der Arbeitgeber ergreifen kann, um dem Arbeitnehmer beizukommen (Ultimo-Ratio-Prinzip).

Wann der Zeitpunkt erreicht ist, an dem nicht mehr mit einer Besserung des Verhaltens zu rechnen ist, hängt vom Einzelfall ab. In manchen Fällen ist dies schon nach einer Abmahnung der Fall, wesentlich häufiger jedoch erst nach der zweiten, dritten oder sogar vierten Abmahnung.

Je mehr Abmahnungen, desto besser?

Nun gibt es Arbeitgeber, die der Überzeugung sind, dass sie zur Sicherheit möglichst viele Abmahnungen ansammeln sollten, bevor sie die verhaltensbedingte Kündigung aussprechen. Dieses Verhalten kann jedoch im Fall der Fälle sogar zum Problem werden. Denn Arbeitsrichter gehen regelmäßig davon aus, dass die Warnfunktion einer Abmahnung nicht mehr gewährleistet ist, wenn zu oft gemahnt wird und keine wirklichen Konsequenzen gezogen werden. Der Arbeitnehmer könnte dann ja der Auffassung sein, dass er sein Verhalten beliebig wiederholen kann, da der Arbeitgeber ohnehin keine der angedrohten Strafen wahr macht. Daher sollte nach jeder Abmahnung abgewogen werden, ob als nächstes die verhaltensbedingte Kündigung gerechtfertigt ist.

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