Ein eigenhändiges Testament richtig gestalten

Was Sie beachten müssen, wenn Sie Ihr Testament handschriftlich errichten möchten

Wer seine Nachlassangelegenheiten bereits zu Lebzeiten regeln möchte, kann dies durch Errichtung eines Testaments tun. Allerdings macht nur etwa jeder fünfte Bundesbürger von dieser Möglichkeit Gebrauch – und dies zudem häufig ohne Konsultation eines auf Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalts. Die Folge ist eine Vielzahl von Erbschaftsstreitigkeiten, die sich mit einem rechtlich einwandfrei gestalteten Testament hätten vermeiden lassen.

Von den unterschiedlichen Formen des Testaments ist das eigenhändige Testament – auch als privatschriftliches oder handschriftliches Testament bezeichnet – am weitesten verbreitet. Seine große Beliebtheit rührt nicht zuletzt daher, dass es sich dabei um die kostengünstigste Lösung handelt. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte erläutert, die es beim Errichten eines eigenhändigen Testaments zu beachten gilt.

Anforderungen an die Form des eigenhändigen Testaments

Die Bezeichnung „eigenhändig“ ist hier wörtlich zu nehmen. Denn wird das Testament mit Schreibmaschine oder Computer verfasst, ist es unwirksam. Um gültig zu sein, muss das eigenhändige Testament zwingend handschriftlich verfasst und vom Erblasser unterschrieben werden. Die Unterschrift sollte am besten mit Vor- und Zunamen geleistet werden, so dass Verwechslungen ausgeschlossen sind. Darüber hinaus ist es wichtig, das Datum und den Ort in der Abfassung zu nennen. So könnte ein Testamentzum Beispiel lauten:

„Ich setze meinen Sohn, Herrn Erwin Rudolf Bernd Schleicher, als Alleinerben ein.

Starnberg, den 5. Mai 2011

Wilhelmine Martha Schleicher, geb. Reich“

Die eindeutige Angabe des Datums ist vor allem dann von Bedeutung, wenn mehrere Testamente existieren. Denn gültig ist jeweils nur die jüngste Abfassung, und jedes neu verfasste – widersprechende – Testament hebt ein eventuell vorhandenes älteres Testament auf. Kann aufgrund fehlender Informationen nicht geklärt werden, welches von zwei Testamenten jünger ist, so sind u.U. beide letztwillige Verfügungen ungültig. Hatte der Erblasser zu einem früheren Zeitpunkt ein formgültiges Testament errichtet und wurde dieses nicht widerrufen oder vernichtet, so gilt dieses anstelle der beiden ungültigen Testamente. Anderenfalls ist für den betreffenden Fall die gesetzliche Erbfolge maßgeblich.

Personen, die keine deutschen Staatsangehörigen sind, sollten in jedem Fall klären, ob sie eventuell aufgrund gesetzlicher Regelungen ihres Heimatlandes andere Formvorschriften zu beachten haben. Auch deutsche Staatsangehörige, die über Vermögen im Ausland verfügen, sollten beim Errichten eines Testaments stets berücksichtigen, welche Formerfordernisse in den jeweiligen Belegenheitsländern gelten.

Wie ist zu verfahren, wenn schon ein Testament besteht?

Mit der Errichtung eines Testaments widerruft der Erblasser sämtliche früheren Verfügungen, die zum bisherigen letzten Willen in Widerspruch stehen. Allerdings kommt es nicht selten zu Meinungsverschiedenheiten darüber, welche der unterschiedlich getroffenen Verfügungen einander tatsächlich widersprechen. Um Unklarheiten in dieser Hinsicht zu vermeiden, empfiehlt es sich, das früher errichtete Testament vollumfänglich zu widerrufen. Dies kann geschehen, indem man das betreffende Schriftstück, welches den letzten Willen enthält, vernichtet, etwa durch Zerreißen oder Verbrennen. Darüber hinaus ist es aber sinnvoll, in jedem neuen Testament ausdrücklich zu erklären, dass man damit sämtliche frühere letztwillige Verfügungen widerruft. Möglich wäre dies beispielsweise mit folgender Formulierung:

„Sämtliche früher errichteten Verfügungen von Todes wegen widerrufe ich hiermit soweit dies gesetzlich zulässig ist und ungeachtet dessen, ob es sich dabei um einseitig oder vertragsmäßig getroffene Verfügungen handelt.“

Sonderfälle sind das gemeinschaftliche Testament und der Erbvertrag. Erbverträge können grundsätzlich nicht frei widerrufen werden – und auch bei einem gemeinschaftlichen Testament ist ein Widerruf nur beschränkt oder gar nicht möglich.

Absicherung des überlebenden Ehepartners im Erbfall

Nach der gesetzlichen Erbfolge erben beim Tode eines Ehegatten sowohl der überlebende Ehegatte als auch die Kinder. Soll das Erbe jedoch – wie von vielen Ehepaaren gewünscht – vorerst dem überlebenden Ehegatten allein zufallen, so muss dies testamentarisch entsprechend geregelt werden. Die gebräuchlichste Lösung für diesen Fall ist das so genannte „Berliner Testament“, in dem sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben einsetzen und zugleich festlegen, dass ihr gemeinsamer Nachlass mit dem Tod des überlebenden Ehegatten an einen oder mehrere Dritte, beispielsweise an gemeinsame Kinder, vererbt werden soll.

Da auf diese Weise nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Kind nach dem Tod des ersten Ehegatten seinen Anspruch auf den Pflichtteil geltend macht, ist es ratsam, in das Testament eine so genannte „Pflichtteilsstrafklausel“ aufzunehmen. Eine solche Klausel könnte lauten: „Sofern ein Pflichtteilsberechtigter nach dem Tod des Erstversterbenden Pflichtteilsansprüche geltend macht, erhält er nach dem Tod des Letztversterbenden ebenfalls nicht mehr als den Pflichtteil.“ Damit wird zumindest ein Anreiz dafür geschaffen, dass die Kinder nach dem Tode des zuerst versterbenden Ehegatten darauf verzichten, ihren Pflichtteil geltend zu machen. Will man sicher gehen, dass ein Kind durch das Geltendmachen seines Pflichtteils nicht besser gestellt wird als die anderen Kinder, sollte man ergänzend ein aufschiebend bedingtes Vermächtnis zugunsten jener Kinder anordnen, die keinen Pflichtteil geltend machen.

Ob die gegenseitige Erbeinsetzung der Ehegatten sinnvoll ist, ist stets anhand der individuellen Situation der Betreffenden zu klären, denn nicht immer ist diese Lösung günstiger. So bleiben beispielsweise im ersten Erbfall die hohen Erbschaftsteuerfreibeträge der Kinder ungenutzt. Insbesondere bei größeren Vermögen kann dies in der Gesamtbetrachtung zu erheblichen steuerlichen Nachteilen führen.

Auch das Problem der so genannten Bindungswirkung sollte nicht übersehen werden. Denn bei gegenseitiger Erbeinsetzung ist der überlebende Ehegatte in Bezug auf so genannte wechselseitige Verfügungen auch nach dem Tod des Ehepartners an das gemeinschaftlich errichtete Testament gebunden. Spätere Änderungen des Testaments – etwa wegen Undankbarkeit der Schlusserben – sind grundsätzlich nicht möglich. Deshalb sollte geprüft werden, inwieweit möglicherweise die Aufnahme von Änderungsvorbehalten in das Testament angebracht ist.

Erbe, Vermächtnisnehmer und Testamentsvollstrecker- was ist der Unterschied?

Auch wenn umgangssprachlich oft – und auch von zahlreichen Erblassern – nicht zwischen „vermachen“ und „vererben“ differenziert wird, sind dies doch rechtlich zwei verschiedene Sachverhalte, aus denen sich wiederum unterschiedliche Folgen ergeben. Daher sollte aus einem Testament immer eindeutig hervorgehen, wer als Erbe und wer als Vermächtnisnehmer bedacht werden soll. So hat beispielsweise nur der Erbe Anspruch auf Ausstellung eines Erbscheines, der Vermächtnisnehmer dagegen nicht. Mehrere Erben bilden die Erbengemeinschaft, der ein Vermächtnisnehmer nicht angehört. Dieser hat vielmehr einen Anspruch gegen jedes Mitglied der Erbengemeinschaft auf Erfüllung des Vermächtnisses. Im Testament könnte dazu beispielsweise Folgendes festgelegt werden:

„Ich setze meine Tochter, Frau Erna Renate Barbara Schleicher, sowie meinen Sohn, Herrn Erwin Rudolf Bernd Schleicher, jeweils zur Hälfte als Erben ein. Mein Chalet in St. Moritz vermache ich meinem Freund Jean-Jacques Bonvivant.

Starnberg, den 5. Mai 2011

Wilhelmine Martha Schleicher, geb. Reich“

Neben der Einsetzung von Erben und der Bestimmung von Vermächtnisnehmern kann der Erblasser in seinem Testament auch einen Testamentsvollstrecker bestimmen, der die Verwaltung des Nachlasses übernehmen soll. Das ist vor allem dann ratsam, wenn der Nachlass unter mehreren Erben aufzuteilen ist.

Ersatzerben und Ersatzvermächtnisnehmer – Vorerben und Nacherben

Da es durchaus möglich ist, dass ein in einer letztwilligen Verfügung genannter Erbe oder Vermächtnisnehmer bereits vor dem Erblasser stirbt, sollte auch bestimmt werden, wer in diesem Fall als so genannter Ersatzerbe beziehungsweise Ersatzvermächtnisnehmer an die Stelle des Verstorbenen treten soll. Hierzu kann beispielsweise formuliert werden: „Ich setze meinen Sohn, Herrn Erwin Rudolf Bernd Schleicher, zum Alleinerben ein. Verstirbt er vor mir, so soll seine Tochter Johanna erben.“

Setzt der Erblasser einen so genannten Vorerben ein, fällt sein Vermögen zunächst einer Person zu, die nicht frei über das ererbte Vermögen verfügen kann. Nach dem Tod des Vorerben wird dieses an eine weitere vom ursprünglichen Erblasser bestimmte Person, den so genannten Nacherben, vererbt. Eine mögliche Formulierung wäre: „Ich bestimme meinen Sohn, Herrn Erwin Rudolf Bernd Schleicher, zum alleinigen Vorerben. Nach ihm soll seine Tochter Johanna erben.“

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