Erbschaftsteuer | Rechtslexikon zum Erbrecht

Lesen Sie hier Wissenswertes zur Erbschaftsteuer

Das Ableben eines Erblassers und ein damit verbundener Erbfall sowie z.B. Vermächtnisse und Pflichtteile, können dazu führen, dass der Erbe oder z.B. Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigte Erbschaftsteuer bezahlen müssen. Kommt es z.B. im Zusammenhang mit dem Verzicht auf eine Erbschaft zu einer Abfindungszahlung, wird die Erbschaftsteuer mit der Erklärung des Verzichts fällig. Auch die Annahme einer lebzeitigen Schenkung kann den Anfall einer Steuer auslösen – der Schenkungssteuer. Für diese Fälle werden die gleichen Berechnungen und Bemessungsgrundlagen herangezogen wie im Erbfall bei der Erbschaftsteuer.

Sind sowohl der Erblasser als auch der Erbe deutsche Staatsbürger gemäß § 2 Erbschaftsteuergesetz (ErbStG), muss für die gesamte Erbschaft Erbschaftsteuer an den deutschen Staat bezahlt werden. Dies trifft auch dann zu, wenn der Erblasser dauerhaft in Deutschland, in Form eines Wohnsitzes oder alltäglichen Aufenthaltes, zugegen war. Erbschaftsteuer an den Staat muss auch in jenen Fällen abgeführt werden, in denen ein Inländer Erbe eines ausländischen Erbfalls wird – dabei zählt lediglich, dass der Erbe ein deutscher Staatsbürger ist und durch das Erbe einen Vermögenszuwachs erfährt, auch wenn der Erblasser kein Inländer war. Je nach erbschaftssteuerrechtlichen Regeln des Landes in dem der Erblasser wohnhaft war, muss möglichenfalls auch im Ausland eine Steuer abgeführt werden.

Doppelbesteuerungsabkommen

Hinweis: In etlichen Ländern gibt es Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Staaten – damit kann verhindert werden, dass Steuerzahlungen für Erbschaften in mehreren Ländern zu leisten sind. Da in manchen Fällen eine im Ausland abgeführte Steuer bei der Berechnung der Erbschaftsteuer in Deutschland mit eingerechnet werden kann und so Berücksichtigung findet, ist es ratsam, sich diesbezüglich explizit zu erkundigen. Spanien sei hier als prominentes Beispiel genannt, mit welchem Deutschland hinsichtlich der Erbschaftsteuer kein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen hat.

Reformierung der Erbschaftsteuer im Jahre 2009

Im Rahmen der 2009 durchgeführten Reformierung der Erbschaftsteuer wurde ein neues Erbschaftsteuergesetz, worin sich einige Punkte zur Berechnung änderten, geschaffen und normiert. So wurden etwa gestiegene Freibeträge und weitere neue Regelungen eingeführt, was teilweise zu großen Veränderungen bei der Berechnung der Steuer gegenüber allen vor 2009 liegenden Berechnungen nach sich zog. Aus den beschlossenen Veränderungen resultierte zudem eine Schlechterstellung von erbenden Geschwistern, Neffen und Nichten sowie entfernten Verwandten, was eine große Welle der Kritik nach sich zog. Demgegenüber sah die Reform vor, dass andere „Erbengruppen“, wie der engste Familienkreis, steuerlich stark entlastet wurden.

Welche Erbschaft unterliegt der Steuerschuld?

Steuern müssen für den „tatsächlichen Nachlass“, also sämtliche Aktiva – wie etwa Barvermögen, Immobilien und Wertpapiere – abzüglich der Passiva (Nachlassverbindlichkeiten), abgeführt werden. Stichtag ist regelmäßig der Zeitpunkt des Ablebens und Anfallens der Erbschaft.

In der Erbschaftsteuerreform von 2009 wurden zudem Neuerungen für das selbstgenutzte Haus der Familie integriert. Die Sonderbedingungen für Hauseigentümer sehen vor, dass sowohl Ehegatten als auch Kinder das Haus steuerfrei beziehen können. Demgegenüber werden seit 2009 vermietete Immobilien, die vom Erben selbst außerdem nicht bewohnt werden, zu 100 % ihres Verkehrswertes bei der Steuerberechnung berücksichtigt.

Individuelle Regelungen wurden auch für die Unternehmensnachfolge geschaffen

Sofern ein Unternehmensnachfolger, welcher das Unternehmen geerbt hat, einige Vorgaben erfüllt, gilt für ihn ein gesenkter Steuersatz bzw. kann die gesamte Erbschaftsteuer auf das Unternehmen entfallen.

Um die Freibeträge bei der Schenkungssteuer bzw. der damit Hand in Hand gehenden Erbschaftssteuer auszunutzen, sollte man schon zu Lebzeiten an Schenkungen denken. Bevorzugt bei größeren Vermögensmassen ist dies ratsam, da die Freibeträge nach derzeit geltender Rechtslage alle zehn Jahre neu genutzt werden können. Wichtig ist, dass man sich über seine Möglichkeiten rechtzeitig informiert und lebzeitige Schenkungen frühzeitig vornimmt. Wichtig ist aber auch, dass man sich bei solchen Planungen seiner Nachfolgeregelung über die Nachteile informiert.

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