Umgangsrecht | Rechtslexikon zum Familienrecht

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Unter dem Umgangsrecht versteht man den Anspruch auf Umgang der Eltern mit ihrem Kind und umgekehrt. In besonderen Fällen haben auch Dritte, zum Beispiel die Großeltern oder die Geschwister des Kindes, ein Umgangsrecht mit dem Kind.

Das Umgangsrecht kommt vor allem bei Trennung und Scheidung der Eltern zum Tragen. Dem Kind sollen nach der Trennung und Scheidung seiner Eltern die familiären Beziehungen erhalten bleiben. Der Umgang und Kontakt mit beiden Eltern ist für Scheidungskinder von besonderer Bedeutung und für die weitere Entwicklung des Kindes wichtig. Nur in ganz besonderen Ausnahmesituationen ist ein Umgang nicht zum Wohl des Kindes.

Das Umgangsrecht steht deshalb demjenigen Elternteil zu, bei dem das Kind nach der Trennung nicht lebt oder bei dem sich das Kind zeitlich nicht überwiegend aufhält. Der Elternteil bei dem das Kind lebt beziehungsweise bei dem es sich zeitlich überwiegend aufhält, ist verpflichtet, den Umgang mit dem anderen Elternteil zu ermöglichen und zu fördern.

Umgangsrecht und seine konkrete Ausgestaltung

Das Umgangsrecht gibt dem umgangsberechtigten Elternteil die Befugnis, mit dem Kind in regelmäßigen Abständen gemeinsame Zeit zu verbringen. Möglich ist auch ein Kontakt über Telefon, Briefe oder E-Mail. Die Ausgestaltung des Umgangs ist den Eltern freigestellt. Maßstab ist immer das Wohl des Kindes. Zu berücksichtigen ist das Alter des Kindes, Arbeitszeiten der Eltern und auch die Entfernung der Wohnorte der Eltern.

In der Regel hat der umgangsberechtigte Elternteil das Kind alle vierzehn Tage an den Wochenenden zum Umgang. Bei Schulkindern findet der Umgang meistens von Freitagnachmittag bis Sonntagabend statt. Auch bei jüngeren Kindern kann ein Umgang mit Übernachtung erfolgen. Gerade bei jüngeren Kindern, die ein anderes Zeitgefühl haben, wird oft noch zusätzlich ein Umgang unter der Woche an einem Nachmittag vereinbart, wenn dies für den umgangsberechtigten Elternteil zeitlich möglich ist.

Wohnen die Eltern weit voneinander entfernt, kann es sinnvoll sein, den Umgang in Blöcken während der Ferien durchzuführen. Im Übrigen erfolgt auch ein Umgang während der Ferien und an Feiertagen. Hier haben die Eltern eine gerechte Aufteilung zu finden, die sich immer an den speziellen Gegebenheiten zu orientieren hat.

Der Umgang findet in der Regel in der Wohnung des umgangsberechtigten Elternteils statt. Der umgangsberechtigte Elternteil holt das Kind zu Beginn des Umgangs zur vereinbarten Umgangszeit ab und bringt es zur vereinbarten Zeit nach Beendigung des Umgangs auch wieder zurück. Sind die Kinder alt genug und entsprechend selbstständig, ist es auch möglich, dass die Kinder alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum umgangsberechtigten Elternteil kommen. Die Kosten des Umgangs trägt der umgangsberechtigte Elternteil.

Keine Einigung über das Umgangsrecht

Können sich die Eltern über den Umgang mit den Kindern nicht einigen, können sie sich zunächst an das örtlich zuständige Jugendamt wenden und um Vermittlung bitten.

Kann mit Hilfe des Jugendamts auch keine Einigung erzielt werden, kann von demjenigen Elternteil, der den Umgang begehrt, ein Antrag auf Regelung des Umgangs beim örtlich zuständigen Familiengericht gestellt werden. Das Familiengericht stellt den Antrag dann dem anderen Elternteil zur Stellungnahme zu. Gleichzeitig informiert das Gericht das Jugendamt vom Verfahren, da dieses in Umgangsverfahren zwingender Verfahrensbeteiligter ist. Das Jugendamt hat im gerichtlichen Verfahren die Aufgabe mit den Eltern und dem Kind beziehungsweise den Kindern Kontakt aufzunehmen und eine Empfehlung für den Umgang auszusprechen.

Um die Interessen der betroffenen Kinder im Streit der Eltern um den Umgang zu wahren, kann das Familiengericht für die Kinder einen Verfahrensbeistand bestellen. Der Verfahrensbeistand setzt sich ebenfalls mit den Eltern und den Kindern in Verbindung und gibt eine Empfehlung zum Umgang ab. Im Rahmen der mündlichen Verhandlung vor dem Familiengericht wird versucht, mit den Eltern eine Einigung über die Ausgestaltung des Umgangs zutreffen. Ist eine Einigung nicht möglich, entscheidet das Familiengericht durch Beschluss.

Ausschluss des Rechts auf Umgang

Das Umgangsrecht kann nur ausgeschlossen werden, wenn durch den Umgang mit dem umgangsberechtigen Elternteil eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls besteht. Der Ausschluss des Umgangsrechts erfolgt in diesen Fällen durch richterlichen Beschluss.

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