Düsseldorfer Tabelle | Rechtslexikon zum Familienrecht

Lesen Sie hier Wissenswertes zur Düsseldorfer Tabelle

Die Düsseldorfer Tabelle dient als Maßstab für die Berechnung des Unterhalts, insbesondere des Kindesunterhalts. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft darüber, wie viel Unterhalt nach einer Trennung beziehungsweise Scheidung für die gemeinsamen, beim anderen Elternteil wohnenden, minderjährigen und volljährigen Kinder bezahlt werden müssen.

Die Düsseldorfer Tabelle hat keine Gesetzeskraft, sondern stellt eine Richtlinie zum Unterhaltsbedarf dar, die bundesweit anerkannt ist. Ziel der Tabelle ist es, die Rechtsprechung im Unterhalt zu vereinheitlichen. Ergänzend zur Düsseldorfer Tabelle gibt es noch die Unterhaltsleitlinien der jeweiligen Oberlandesgerichte.

Der in der Düsseldorfer Tabelle ausgewiesene monatliche Unterhaltsbedarf ist bezogen auf zwei Unterhaltsberechtigte. Das heißt, der Unterhaltsverpflichtete ist zwei Personen zum Unterhalt verpflichtet, entweder gegenüber einem Kind und einem Ehegatten oder gegenüber zwei Kindern.

Seit wann gibt es die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle gibt es seit dem Jahr 1962. Seitdem wird die Düsseldorfer Tabelle in der Regel alle zwei Jahre aktualisiert. Seit 2007 gilt sie auch uneingeschränkt für die neuen Bundesländer, in denen bis dahin die Berliner Tabelle angewendet wurde. Die letzte Anpassung erfolgte zum 01.01.2015. Der Name rührt daher, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf, dessen Onlinepräsenz Sie hier finden, die Tabelle in Abstimmung mit anderen Oberlandesgerichten sowie dem Deutschen Familiengerichtstag erstellt.

In der aktuellen Düsseldorfer Tabelle 2015 wurden aber lediglich die Selbstbehalte erhöht, da sich der Regelsatz der Grundsicherung (Hartz IV) zum 01.01.2015 erhöht hat. Die Höhe des Kindesunterhalts blieb unverändert, weil der Gesetzgeber den Kinderfreibetrag zum 01.01.2015 nicht erhöht hat, was Voraussetzung für eine Erhöhung der Unterhaltssätze der Kinder gewesen wäre.

Berechnung des Kindesunterhalts – Bedarf des Kindes ist entscheidend

Mit den in der Tabelle aufgeführten Beträgen soll der normale Bedarf des Kindes abgedeckt werden. In den Tabellenbeträgen sind jedoch keine Beiträge zur Krankenversicherung oder Pflegeversicherung oder eventuelle Studien- oder Schulgebühren enthalten, die vor allem bei volljährigen Kindern in der Ausbildung fällig werden können. Ein Sonderbedarf muss ebenso wie ein sogenannter Mehrbedarf zusätzlich zum Tabellenbetrag vom Unterhaltspflichtigen geleistet werden.

Wie ist die Düsseldorfer Tabelle zu lesen?

Die Düsseldorfer Tabelle weist

  • zehn Einkommensgruppen,
  • vier Altersstufen,
  • Prozentsätze und
  • Bedarfskontrollbeträge

aus.

Die Richtsätze der Einkommensgruppe 1 entsprechen dem gesetzlichen Mindestbedarf gemäß § 1612 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Die Höhe des Mindestbedarfs eines minderjährigen Kindes bestimmt sich nach dem doppelten Kinderfreibetrag des § 32 Absatz 6 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG).

Für die Eingruppierung in die richtige Einkommensgruppe ist das um berufsbedingte Aufwendungen und berücksichtigungsfähige Schulden und monatliche Aufwendungen bereinigte Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen zu ermitteln. Da die Richtwerte der Düsseldorfer Tabelle für zwei Unterhaltsberechtigte ausgelegt sind, kommt es bei Vorliegen von mehr als zwei Unterhaltsberechtigten zu einer Einstufung in die nächstniedrigere Einkommensgruppe.

Ist nur ein Unterhaltsberechtigter vorhanden, wird der Unterhaltsverpflichtete zumeist in die nächsthöhere Einkommensgruppe eingestuft. Hat der Unterhaltsverpflichtete ein bereinigtes monatliches Nettoeinkommen, welches höher ist als Euro 5.100,00 (Einkommensgruppe zehn), dann wird der Unterhalt nach dem individuellen Bedarf des Unterhaltsberechtigten festgelegt. Allgemein ist die Düsseldorfer Tabelle also nur für Einkommen vorgesehen, die nicht höher als EUR 5.100,00 netto pro Monat liegen.

Der Prozentsatz dient der rechnerischen Ermittlung des Unterhaltsbetrags. Der Prozentsatz ist der Multiplikator der einzelnen Einkommensgruppen.

Der Bedarfskontrollbetrag ist nicht identisch mit dem Selbstbehalt. Der Bedarfskontrollbetrag soll eine ausgewogene Verteilung des Einkommens zwischen dem Unterhaltspflichtigen und den unterhaltsberechtigten Kindern sicherstellen. Wird der Bedarfskontrollbetrag durch die Tabellenwerte unterschritten, kann eine Herabstufung in die nächstniedrigere Einkommensgruppe in Betracht kommen.

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